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Kinder lernen, ihre Meinung zu sagen

22.06.2017 CJD Nürnberg « zur Übersicht

Bei der zwischenmenschlichen Kommunikation steht der Mensch sich oft selbst im Weg. Das fängt schon früh an. Deshalb versucht die Hans-Georg Karg Kita des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands in Nürnberg mit besonderen Methoden, Kinder zu stärken, ihre Meinung zu äußern.

„Das fand ich toll“, ein redegewandter Junge ergreift als erster das Wort, als die Kindergartenkinder ihre Meinung zu einer Kräuterpflanz-Aktion sagen sollen. Der Junge erklärt, dass er Kräuter liebe, weil sie gut schmeckten, und dass das Anpflanzen gut für die Umwelt sei. Dann wird es ruhig in der Gruppe. Keines der Kinder sagt etwas, bis die Erzieherinnen gezielt nachfragen. Alle angesprochenen Kinder wiederholen, es habe ihnen gut gefallen. Einige ergänzen, Kräuter schmeckten gut. Dabei orientieren sie sich deutlich an dem, was der ältere Junge vorgegeben hat. Sie kleben an seinen Aussagen, ohne über eine eigene Meinung nachzudenken. Die Orientierung an Anderen, Gruppengröße und Gruppenklima, Beziehungsgeflecht und soziale Stellung oder die aktuelle Stimmungslage können entscheidende Kriterien dafür sein, welche Urteile und Wünsche ein Kind in einem Gesprächskreis äußert. Wer kennt das nicht auch von Erwachsenen in beruflichen Meetings oder in Arbeitskreisen, in denen echte Problemreflexion allzu leicht blockiert wird.

Die Nürnberger Hans-Georg Karg Kita des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands will drei- bis sechsjährige Kinder stärken, indem das Nachdenken über verschiedenste Themen und Erlebnisse unterstützt oder eventuell überhaupt erst ermöglicht wird. „Dabei verwenden wir Dinge wie Brainstorming-Spiele, Brain-Painting, Power-Voting und Bildreflexion“, erklärt Beatrix Hirschbolz-Ter, Leiterin der Kindertagesstätte. „Durch die vielen Methoden ist es für die Kinder selbstverständlich geworden, dass sie sich selbst reflektieren. Sie haben an Selbstbewusstsein gewonnen und wissen, dass wir auf ihre Wünsche und Äußerungen eingehen und sie ernst nehmen.“ Einige der Methoden sind inzwischen fixer Bestandteil des pädagogischen Alltags in der Kita. Andere, wie etwa die komplexe Metaplan-Kinderbefragung, werden nur ein- bis zweimal im Jahr durchgeführt.

„Das Brainstorming-Spiel ist die beliebteste Methode bei uns“, so Hirschbolz-Ter, „Sie ist leicht anwendbar, macht den Kindern viel Freude und der pädagogische Nutzen ist unmittelbar sichtbar. Die Kinder lieben es, viele tolle Ideen zu sammeln. Außerdem hat sich unser Blick auf die Kinder erweitert, und wir nehmen jedes Kind in seiner Besonderheit noch intensiver wahr.“ So lernen teilweise auch die Erzieher von den Kindern.